leseprobe
"Von Häusern, ... "
 

Wer sich in diesem Raume befindet, hat ein Dach über dem Kopf. Das kann nicht jeder von sich sagen. Wohl dem, der es von sich sagen kann. Wohl dem, der ein Heim hat, einen Ort, wo er hingehen kann, wenn er nichts von der Welt will und die Welt nichts von ihm. Wo er tun, sein und lassen kann, was und wie es ihm beliebt. Ein Haus, oder ein Häuschen, oder wenigstens eine Wohnung, ein Zimmer zumindest, ein Raum, wo er nicht darauf achten muss, was er sagt und wie er geht. Wo er Grimassen schneiden kann und Berge von Schokolade verzehren. Er kann hopsen oder sich zu Boden fallen lassen, er kann stöhnen und brüllen, rülpsen und furzen, wie es ihm beliebt. Er ist zu Haus. ...

Kann sein, dieses wirkliche Innen und Außen wird Symbol eines Innen und Außen, welches man nicht anfassen kann und das wir nur ahnen. Wobei uns in dunklen Nächten träumen könnte, dass die Dinge vertauscht sind, dass das wirkliche Innen zu deinem inneren Außen gehört, während dein inneres Innen im wirklichen Außen unterwegs ist, kriechend oder rasend, wie auf der Jagd oder der Flucht, und du weißt nicht, wer da hinter wem her ist, und die Dinge verknäulen sich und du schläfst lieber ein. ...

Oder der Bauherr kommt und sagt: Guten Tag, Herr (oder Frau) Architekt, ich will bauen. Was denn, was denn, fragt der Architekt. Ein Haus, mit Zimmern. Aha, so-so. Und wie soll ´s aussehen? Wie gesagt, Zimmer, und unten eine Tür und oben ein Dach mit Schornstein. Geht so was? Ja sicher, sagt der Architekt, bloß …

Räume waren entstanden, winzig, in der ein Mensch für eine Weile verharren konnte, und größere auch und eine Halle, deren Kuppel in der Mitte offen war, so dass man des Nachts die Sterne sehen konnte. Manchmal ließ sich jemand für eine Zeit nieder, um dann weiterzuziehen. Man traf sich, um Dinge zu beraten und zu besprechen, auch wurde gesungen und getanzt. In einem seitlichen Raum, zu dessen Begrenzung jener erste Ziegel gehörte, hatten sich Ziegen angesiedelt, nun hatte der Ziegel auch dies noch erhalten. In manchen Räumen hämmerte es, und in manchen liebten sich ein Mann und eine Frau. Groß, riesig war das Gebäude inzwischen geworden. Niemand besaß einen Plan, man konnte sich leicht verlaufen; aber wunderlicherweise besaß das Gebäude die Güte, dem Besucher kurz vor der Verzweiflung einen Ausblick zu gewähren, so dass er sich ein Bild machen und einen guten Weg nach draußen finden konnte. Das ist das unbekannte Haus. ...