leseprobe
"Die Tage ... "


Gedicht an die Nacht

Nacht, schöne Nacht – ich rufe Dich.
Nacht, schwarze Nacht – ich küsse Dich.
Nacht, oh Du Nacht, bist so schwarz und so kalt.
Nacht, schöne Nacht – seltsam Deine Gestalt.
Seltsame Nacht, komm her und bleib hier.
Nacht, oh Du Nacht, komm und bleibe bei mir.
Oh Du grausige Nacht, komm doch her und sei mein.
Komm, schöne Nacht, lass mich um Dich frei´n.
Komm nur, Du Nacht, und scheue Dich nicht.
Komm, schwarze Nacht, und sei mir ein Licht.
Oh komm doch, Du Nacht, Du grausiges Tier.
Ich bitte Dich, Nacht: Komm her jetzt zu mir.
Eile Dich, Nacht, und fliege hierher.
Komm in meine Arme, Nacht, so schwer.
Oh Nacht, Du Nacht, Du tödliches Nichts.
Ich liebe Dich, Nacht, wegen Deines Leibes
und wegen Deines Gesichts.


Irrtum


Wenn ein falscher Traum zerbricht,
gibt es Bitterkeit.
Erweist als Schatten sich das Licht.
Kehrt sich um die Zeit.

Jahrealtes steigt herauf,
Neues pflügt sich um.
Und der Mund, der laut gelacht,
wird auf einmal stumm.

Und der Tränenstrom bricht los.
Und da glättet sich die Haut.
Und wer guten Mutes war,
hat wieder aufgeschaut.

Minimale Ode


Als dir
die Tränen übers Gesicht rannen,
wie schön warst du da.
Denn zwischen
dem Weinen
                     und dem Nichtweinen
schautest
du mich an.